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Die Geschichte der Zeitungen in Deutschland

Teil 2

Postzeitungen im 17. Jahrhundert


Im ersten Jahrzehnt des 17. Jh. bildete sich in Europa eine neue Gattung periodischer Publizistik heraus: die Zeitung. Ihre Merkmale sind: Publizität (Öffentlichkeit, allgemeine Zugänglichkeit), Aktualität (Gegenwartsbezogenheit, Bedeutsamkeit für die unmittelbare Gegenwart), Universalität (Allseitigkeit; kein Thema wird ausgeschlossen) und Periodizität (regelmäßige Wiederkehr). Ihre Erscheinungsweise war zunächst wöchentlich, da sie vom Verkehrsplan der Reit- und Fahrposten abhängig war, die das Nachrichtenmaterial beförderten.

Die ältesten bekannten Wochenzeitungen in deutscher Sprache erschienen ab 1609: der "Aviso, Relation oder Zeitung" in Wolfenbüttel von dem Drucker Julius Adolph von Söhne († 1616), fortgesetzt bis 1627(?) von Elias Holwein († 1659), und die "Relation: Aller Fürnemmen vnd gedenckwürdigen Historien ..." in Straßburg von dem Drucker Johannes Carolus (* 1575, † 1634) (nachweisbar bis 1659, bei ihrer Entdeckung in der Universitätsbibliothek Heidelberg 1876 als "Straßburger Relation" bezeichnet). (Der Unterschied dieser beiden ersten regelmäßig [wöchentlich] in Deutschland erschienenen Zeitungen liegt darin, daß die vermutlich schon vor 1609 gegründete "Straßburger Relation" in den ersten beiden Nummern von 1609 noch restliches Nachrichtenmaterial vom Dezember 1608 aufarbeitet, der "Aviso" seine früheste Nachricht vom 1. Januar 1609 bringt und deshalb erst in der Mitte des Januars mit seinem Erscheinen beginnt.)

Die Postmeister, die in der Entstehungszeit der Zeitungen vielfach den besten Zugang zum aktuellen Nachrichtenstoff hatten, waren oft Herausgeber von Zeitungen, den sogenannten Postzeitungen. Diese Bezeichnung trat erstmalig 1621 in dem von dem kaiserlichen Postmeister Johann von der Birghden (* 1582, † 1645) in Frankfurt/M. herausgegebenen Blatt "Unvergreiffliche Postzeitungen" auf. (Diese Postzeitung, später u.d.T. "Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung", erschien bis 1866.)

Die vermutlich früheste Statistikveröffentlichung in einer deutschen Zeitung ist eine statistische Übersicht über "Aufgebotene, Getraute, Getaufte, Begrabene" in der Stadt Leipzig im Jahre 1637, abgedruckt in "Einkommende Wochentliche Zeitungen", Leipzig 1638

Timotheus Ritzsch (* 1614, † 1678), der 1636 die 1624 in Leipzig von seinem Vater Gregorius Ritzsch (* 1584, † 1643)errichtete Druckerei mit Verlag übernommen hatte, gab am 1. Januar 1660 die (von ihm auch gedruckte) erste deutschsprachige Tageszeitung  und zugleich die erste Tageszeitung der Welt u.d.T. "Neu-einlauffende Nachricht von Kriegs- und Welt-Händeln" heraus (als Fortsetzung seiner 1650 gegründeten mehrmals wöchentlich erschienenen "Einkommenden Zeitungen"); ab 1734 u.d.T. "Leipziger Zeitung", 1921 Erscheinen eingestellt.

Einkommenden Zeitungen

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Aktuell dazu:

Am 6. Juni 2000 erschien eine Briefmarke der Deutschen Post mit dem Motiv

                           "350 Jahre Tageszeitung"

Briefmarke 350 Jahre Tageszeitung

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Hier der Text der Deutschen Post zur Herausgabe dieser Briefmarke:

1650, zwei Jahre nach Ende des 30-jährigen Krieges, gab der Leipziger Drucker und Buchhändler Timotheus Ritzsch die  erste Tageszeitung der Welt  heraus.

Ritzsch druckte und vertrieb bereits seit 1643 in Leipzig eine »Wöchentliche Zeitung«, die vier Mal in der Woche erschien. Diese war damit aber noch keine Tageszeitung im heutigen Sinne. Diesen Sprung vollzog Ritzsch, indem er sein Blatt, das er nunmehr »Einkommende Zeitungen«  nannte, ab  1650  sechs Mal in der Woche erscheinen ließ. Jede Ausgabe hatte vier Seiten im Format von zirka 13,5 mal 17 Zentimetern.

Die damalige Auflage dürfte nicht mehr als 200 Exemplare betragen haben. Gesetzt waren die »Einkommenden Zeitungen« in Metall-Lettern, gedruckt wurden sie auf einer hölzernen Druckerpresse von Hand.

------------------------------------ Achtung: Satire ------------------

Harald Schmidt zu diesem Thema in seiner Sendung am 5. 7. 2000:

Wissen Sie, wie die erste Schlagzeile war ?

"Eigene Show für Rudi Carell"

------------------------------------ Ende der Satire --------------------

Bei mdr.de findet sich ein sehr guter Hintergrundbericht zu diesem Thema. 

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Noch im 17. Jh. entwickelte sich neben der Zeitung mit der Zeitschrift eine neue Gattung periodischer Publizistik. Die Zeitschrift hat mit der Zeitung die Merkmale Publizität (Öffentlichkeit, allgemeine Zugänglichkeit) und Periodizität (regelmäßige Wiederkehr) gemeinsam; dagegen ist eins der Merkmale Aktualität (Gegenwartsbezogenheit, Bedeutsamkeit für die unmittelbare Gegenwart) und Universalität (Allseitigkeit) (oder beide) nur abgeschwächt oder gar nicht vorhanden.

Die Presse (Zeitung und Zeitschrift) ist das älteste publizistische Massenmedium  und war - wie beim Aufkommen jedes neuen Massenmediums charakteristisch Gegenstand kulturkritischer Auseinandersetzung.

Die erste Buchveröffentlichung mit Kritik am Zeitungswesen  ist die Schrift "Discursus de novellarum, quas vocant Newe Zeitungen, hodierno usu et abusu" (lat.Diskurs über den Gebrauch und Mißbrauch von Nachrichten, die man Newe Zeitungen nennt), Jena 1676, des Dichters, Rechtsgelehrten und Hofkanzlers Ashaver Fritsch (* Mücheln 1629, † Rudolstadt 1701), der sich als einer der ersten deutschen Gelehrten mit der Presse beschäftigte. In diesem Pamphlet wetterte Fritsch gegen die "Zeitungssucht", "eitles, unnötiges, unzeitiges und daher arbeitsstörendes, mit unersättlicher Begierde getriebenes Zeitungslesen".

Der erste leidenschaftliche Anwalt der Presse trat mit dem Schulmann und Dichter Christian Weise (* Zittau 1642, † ebd. 1708) auf den Plan. Von ihm stammt die erste Rechtfertigung des Zeitungswesens (und Zeitungslesens) als Buchveröffentlichung u.d.T. "Schediasma curiosum de lectione novellarum" (lat.= Interessanter Abriß über das Lesen von Zeitungen), Frankfurt/M., Leipzig 1676.

Die erste deutsche zeitungswissenschaftliche Dissertation wurde an der Universität Leipzig von Tobias Peucer aus Görlitz (Lausitz) angefertigt und 1690 u.d.T. "De relationibus novellis" (lat.- Über Zeitungsberichte) veröffentlicht. (Untersucht wurde in ihr vor allem der wissenschaftliche Nutzen der Zeitungslektüre für den Historiker.)

Die erste Heiratsannonce erschien am 19. Juli 1695 in dem von John Houghton (* 1640, † 1705) herausgegebenen Wochenblatt "A collection for improvement of husbandry and trade" (engl.= Sammlung für den Fortschritt von Landwirtschaft und Handel), London 23. März 1692 24. September 1703. In diesem Inserat suchte "ein Herr von etwa 30 Jahren mit ansehnlichem Besitz für die Ehe eine junge Dame mit einem Vermögen von ca. 3.000 Pfund".

Die erste umfassende Gesamtdarstellung des Zeitungswesens verfaßte der Schriftsteller und Sprachforscher Caspar (Kaspar) Stieler (* Erfurt 1632, † ebd. 1707;1705 geadelt) mit "Zeitungs Lust und Nutz, Oder: derer so genannten Novellen oder Zeitungen, wirckende Ergetzlichkeit, Anmut, Notwendigkeit und Frommen ...", Hamburg 1695.

Dem Kaffeehaus verdankten verschiedene Presseunternehmen ihre Gründung. (So benutzten z.B. die Herausgeber der englischen moralischen Wochenschriften die Londoner Kaffeehäuser als Redaktionslokal und Nachrichtenbörse.) Die erste deutsche Zeitschrift, die möglicherweise im Kaffeehaus entstanden ist, zumindest ihm ihre Existenz verdankte ("Kaffeehauszeitschrift"), erschien in Leipzig 1698 u.d.T. "Das curieuse Caffe-Hauß zu Venedig". Zum Inhalt hatte sie fiktive Kaffeehausdiskurse zu Themen wie Mode, Barttrachten, politische Kannegießerei. (Es folgte, aber nicht als Fortsetzung, "Das neue und curiöse Caffe-Hauß, vormals in Italien, nunmehro aber in Teutschland eröffnet", Leipzig 1707 - 1708.)

 

Hier können Sie den ganzen Text lesen.

 

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