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Die Geschichte der Zeitungen in Deutschland

Teil 3

Intelligenzblätter im 18. Jahrhundert

Im Jahre 1705  wurde die älteste heute noch erscheinende Tageszeitung in Deutschland, die Hildesheimer Allgemeine Zeitung unter dem Titel "Hildesheimer RelationsCourier" gegründet.

Hier finden Sie nähere Informationen zur Geschichte dieser Zeitung.

Die erste deutsche moralische Wochenschrift   (als Nachahmung der englischen Wochenschriften), herausgegeben von dem Musikschriftsteller Johann Mattheson (* Hamburg 1681, † ebd. 1764), erschien u.d.T. "Der Vernünfftler, das ist: Ein deutscher Auszug aus den engländischen Moral-Schriften des Tatler und Spectator". Nr. 1 - 101, Hamburg 31. Mai 1713 - 30. Mai 1714. (Das Blatt wurde aus unbekannten Gründen verboten; die letzte Nummer erschien handschriftlich.)

Vorläufer des für den regelmäßigen, abschnittsweisen Abdruck in Zeitungen und Zeitschriften gedachten und oft eigens hierfür verfaßten Fortsetzungsromans  waren die in den moralischen Wochenschriften, Intelligenzblättern oder sonstigen Periodika des 18. Jh. veröffentlichten Erzählungen und Fabeln, Humoresken und Anekdoten, Gedichte und Sinnsprüche u.ä.

Die erste eigenständige deutschsprachige moralische Wochenschrift  waren die von dem schweizerischen Historiker und Schriftsteller Johann Jakob Bodmer (* Greifensee [bei Zürich] 1698, † Gut Schönenberg [bei Zürich] 1783) und dem schweizerischen Gelehrten Johann Jakob Breitinger (* Zürich 1701, † ebd. 1776) in Zürich 1721 - 1723 herausgegebenen "Discourse der Mahlern".

Die Methode, einen Ehepartner über ein Zeitungsinserat zu suchen, war zuerst ausschließlich ein männliches Vorrecht. Die erste bekannte Heiratsannonce einer Frau  erschien 1727 im "Manchester Weekly Journal". (Die Jungfer Helen Morison, welche die Annonce aufgegeben hatte, wurde auf Verlangen der aufgebrachten Buger für vier Wochen in eine Irrenanstalt geschickt.)

Die in der ersten Hälfte des 18. Jh. nach britischem und französischem Vorbild in Deutschland gegründeten Intelligenzblätter   (zu engl.: intelligence = Nachricht) waren staatliche Anzeigenblätter mit amtlichen Bekanntmachungen, Nachrichten und Berichten für Handel, Handwerk und Landwirtschaft, vor allem mit gewerblichen und privaten Anzeigen, auch mit belehrenden und unterhaltenden Beiträgen, die sich aus den von (anfangs privaten) Anzeigen- und Adreßkontoren zusammengestellten und wöchentlich erschienenen Listen der Verkaufs- und Kaufangebote sowie Kundschaftsadressen entwickelt hatten.

In Preußen erschienen die Intelligenzblätter seit 1727 ("Wöchentliche Berlinische Frag- und Anzeigungsnachrichten"). Friedrich Wilhelm I. (1713 - 1740) machte die Intelligenzblätter als erster zu einer staatlichen Einnahmequelle. (Das staatliche Anzeigenmonopol in Preußen wurde erst 1850 aufgehoben. Von da an wurden die Intelligenzblätter durch Amtsblätter ersetzt, und der Anzeigenteil in den Zeitungen

Die erste bekannte deutsche Heiratsanzeige (durch die ein Hochzeitspaar seine Heirat bekanntgab) erschien am 9. Juli 1732 in dem 1722 in Frankfurt/M. gegründeten Intelligenzblatt "Frankfurter Wöchentliche Frag- und Anzeigungsnachrichten". Damit hatte die Sparte "Familiennachrichten" in der deutschen Zeitung ihren Anfang genommen.

Die erste Universitätszeitung erschien u.d.T. "Students" vom 31. Januar 1750 bis zum Jahre 1751 an der Universität Oxford unter dem Impressum des Verlegers und Buchhändlers John Newbery. Herausgeber war der englische Dichter Christopher Smart (* Shipbourne [Kent] 1722, † London 1771).

Älter als die Todesanzeige in Form der Familienanzeige ist die Verbindung von Todesmitteilung und Geschäftsveränderung in der Presse. So erschienen die frühen Todesanzeigen  entweder im Wirtschaftsteil einer Zeitung oder versteckt zwischen geschäftlichen Nachrichten, ohne äußere Kennzeichnung durch Trauerrand oder Hervorhebung des Namens.

Die älteste bisher entdeckte derartige Todesanzeige   war 1753 im " Ulmer Intelligenzblatt" (d.i. " Ulmer Tagblatt [Beilage;] Ordentlich-Wöchentlicher Ulmischer Anzeigs-Zettel") unter der Rubrik "Vermischte Nachrichten" abgedruckt und hatte folgenden Wortlaut: "In der Nacht, unterm 14. huj. ist Totl. Herr Johann Albrecht Cramer, weiland des Raths, Zeugherr und Handelsmann allhier, in einem Alter von 70 Jahren an einem Schlagfuss gestorben".

"Der Wandsbecker Bothe", 1771 gegründet und verlegt von dem Schriftsteller, Drucker und Verleger in Hamburg Johann Joachim Christoph Bode (* Braunschweig 1730, † Weimar 1793), 1771 - 1775 von dem Dichter Matthias Claudius (* Reinfeld[Holstein] 1740, † Hamburg 1815) in Wandsbek herausgegeben, 1776 erloschen, war die erste deutsche Volkszeitung, die eine Mischung von politischen, wissenschaftlichen und literarischen Neuigkeiten bot.

Die erste deutsche Hausfrauenzeitschrift war das "Archiv weiblicher Hauptkenntnisse für diejenigen jedes Standes, welche angenehme Freundinnen, liebenswürdige Gattinnen, gute Mütter und wahre Hauswirthinnen seyn und werden wollen", herausgegeben von einer 42köpfigen Gesellschaft deutscher Frauen, Leipzig 1787 - 1790.

Dorfbarbier

 

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